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Minimalismus

Von 0 auf Minimalismus oder Wie startet man ein minimalistisches Leben? 

 

Naja, ganz so extrem ist es nicht. Wir waren bisher keine Messies und ich möchte behaupten zumindest ich konnte immer gut aussortieren. Mit Wayne habe ich doch die ein oder andere Frage „Brauchst du das wirklich?“- und Antwort „Ich bringe es erstmal noch in den Keller, vielleicht irgendwann mal…“ gut in Erinnerung! Zuletzt waren wir auf dem Stand, dass ich seine Sachen nicht anfassen darf – er hat zu sehr Angst, dass ich etwas voreilig entsorge :-D 

Nun wollen wir einen Großteil der Sachen loswerden und das am besten in kürzester Zeit! Auch, wenn Wayne im Aussortieren nicht so gut ist: Wir freuen uns richtig über diesen Anlass, das Zeug zu minimieren! Mit jedem Gegenstand, den ich in der Wohnung anfasse oder den ich sehe frage ich mich, ob ich das behalten will. So selten ist es ein klares „ja“, hin und wieder ein „hmmmmm“, vor allem und oft ein „nein“. 

Wir möchten erstmal nur für ein paar Monate weg, die Wahrscheinlichkeit, dass wir danach wieder kommen, ist da. Für uns ist es also keine Option, alles bis auf unsere Zahnbürste und Unterhosen wegzugeben, sondern wir suchen nach einem Minimum an Grundausstattung. 

Welche Fragen uns am meisten beschäftigen: 

 

Was brauchen wir in der Küche? 

Wir fanden die Vorstellung toll, pro Person nur 2 Teller und je 2 Sets an Besteck zu haben. 2 Gläser und 2 Becher. Ansonsten vielleicht eine Pfanne und zwei Töpfe. Ein Messbecher und eine Waage… oder geht es auch ohne? … Unseren Mixer, Kochbesteck. War’s das!? Achso, Plastikboxen, Rührschüsseln. Hmm… keine Ahnung. So fing es an. Jetzt haben wir seit ca. 6 Wochen unsere Küche unterteilt in: USE und DON´T USE. Als Test sozusagen. Es ist interessant: Wir haben nur wenige Sachen wieder hervorgeholt – beispielsweise die Zitronenpresse – und ansonsten spülen wir einmal am Tag. Es gibt keine großen Spülberge mehr und die Spülmaschine sammelt auch keine Millionen Dreckteller mehr. Kürzlich habe ich auf einem Blog gelesen „Das Leben ist ein besserer Ort, wenn man nicht ständig die Küche aufräumen muss.“ Wie wahr, genauso empfinden wir es auch gerade! 

… was im Bad? 

Wie viele Handtücher braucht ein Mensch? Momentane Grundvorstellung von fast allem: 2 :-) 

Auch da haben wir erst weggeräumt und ausgetestet. Hat wunderbar funktioniert: Die Wäscheberge sind kleiner, die Wäschen werden automatisch besser organisiert. 

Klar, Zahnbürste und Zahnpasta, Seife. Haare will ich bald wieder mit Roggenmehl waschen. Rasierer, Bürste, Fön. Braucht Frau Nagellack? Oder anders: Brauche ich Nagellack?... Ja, schon gerne mal im Sommer. Ich hatte ca. 12 verschiedene Farben, von denen ich vielleicht 4 regelmäßig nutze. Ich habe also ganz viele Nagellacke bei Free your stuff weggegeben und freue mich sehr, auch darüber, dass jemand anderes sich wiederum gefreut hat, sie zu bekommen! Und so geht es weiter… Wenn wir dann mal all den anderen Kram aus unserem Badezimmerschrank verschwinden lassen (all die Cremes und Proben und Zeugs…) bleibt da sicher nicht mehr ganz so viel übrig! 

Minimalismus mit Kindern? 

In diesem Bereich mache ich mir am meisten Gedanken. Die Vorstellung, dass unsere Kinder von vorneherein nicht viele Sachen und vor allem nicht viel Spielzeug haben, finden wir eigentlich total gut! So für die Kreativität und das freie Spiel…. Eigentlich. Wir haben schon lange nicht so viel, wie ich es in anderen Familien gesehen habe. Und dennoch frage ich mich immer mal wieder: reicht das? Und jetzt noch aussortieren? 

Wir haben einige Sachen geschenkt bekommen oder noch aus meiner Kindheit. Die hochwertigen und größeren Sachen (Holzeisenbahn, Holzbauklötze, Bobbycar, Laufrad, die gute alte Plastik-Fisher-Prize-Spielküche, …) werden wir wohl erstmal einlagern. Und der Rest, mal schauen. Kommt wohl auch drauf an, wie viel Platz wir zum Einlagern haben werden (da ist auch noch keine Lösung gefunden, wir werden uns wohl einen Lagerraum anmieten). 

Kinderkleidung… Noch so ein schwieriges Thema wie ich finde! Es gibt Zeiten, da möchte meine Tochter nur diesen einen Pulli tragen. Ist minimalistisch betrachtet wohl optimal :-D Und dann gibt es die Zeiten, wo jeden Tag mindestens ein Outfit in die Wäsche gehört und auch wandert, da sie sich gerade gerne umzieht und eben Flecken verursacht hat, sie ist halt ein Kind… 

Wir werden für sie und für Nr. 2 mehr Kleidung halten, wie für uns. Wenn auch viel weniger, als das, was wir haben. Man bedenke eben auch, dass diese Kinder so unglaublich schnell wachsen! Beim zweiten Kind wollen wir gerne soviele Sachen wie möglich von unserer Tochter nutzen. Nr. 2 wird ein Junge. Verdammt, ich bin so offen in dieser Gendersache – klar kann ein Junge auch Mädchenkleidung tragen! Und dann… sitze ich da und sortiere. Gehen Blumen? Rote Jacke mit silber-glitzernder Schrift??!? In uns steckt einfach zu viel anerzogener Gesellschaftsschmodder… Nun gut, wat wech is is wech, sortiere ich die deutlicheren Mädchensachen eben aus. Und für alles, was wir noch mal benutzen können werde ich wohl Klamottenkisten nach Größe packen und eine noch nicht in diese Position versetzte Person darum bitten, uns gegebenenfalls die gerade anstehende Größe für den Zwerg nach Wohin-auch-immer zuzuschicken! 

Und dann die Frage der Fragen: 

Wie werden wir all die aussortierten Dinge los? 

Das ist mein Dilemma in der Vergangenheit gewesen. Zu viel zu sortieren, dann verschenken wollen oder verkaufen, und so ganz einfach ist das ja auch nicht immer. 

Unser bisheriges Vorgehen sah und sieht so aus: 

Hausflohmarkt: 

Wir möchten so gut es geht Geld für unsere Reise zusammen bekommen. Da wir mit all dem Zeug ungern zum Flohmarkt wollten, musste der Flohmarkt eben zu uns. Wir haben den Hausflohmarkt recht früh eingeplant, um danach noch Zeit zu haben, das Übriggebliebene loszuwerden. 

Damit wir Käufer für unsere Sache haben, mussten wir natürlich auch Werbung machen. Ich wollte Flyer in Supermärkten, beim Arzt, etc. aushängen und stellte in fast allen Fällen fest, dass es das gute, alte schwarze Brett so nicht mehr gibt! Die meisten Geschäfte dürfen keine Privataushänge mehr machen. Also habe ich das virtuelle schwarze Brett genutzt und Werbung in allen möglichen regionalen Facebook-Gruppen gemacht. Außerdem habe ich Flyer an Laternenpfosten geklebt und in der Nachbarschaft in Briefkästen geworfen. Ursprünglich wollte ich eine Anzeige in der lokalen Zeitung schalten. Mir wurde aber am Auto die Scheibe eingeschlagen und meine Tasche geklaut. Plötzlich war ich mit organisatorischem, nervigen Mist beschäftigt und habe die Deadline für das Einreichen der Anzeige verpasst. Nun gut, es musste also auch ohne gehen. (Meine Tasche wurde übrigens wieder gefunden und bei der Polizei abgegeben – inklusive aller wichtigen Dokumente und Mutterpass, also nochmal Glück gehabt!). 

Bevor es losging, habe ich Mann und Kind zur Familie nach England geschickt! Zum Einen konnte ich so ganz in Ruhe unsere Sachen sortieren. Bis zum Termin waren wir uns klar darüber, was wir behalten wollen. Das habe ich dann mit einem „nicht zu verkaufen“-Schild versehen (Waynes Piano zum Beispiel), bzw. in Kisten weggepackt. Zum Anderen war mir wichtig, dass Senia beim Flohmarkt nicht da ist. Es hätte sie vielleicht zu sehr irritiert, dass andere Menschen durch unsere Sachen wühlen. 

Wir haben den Flohmarkt dann für zwei Tage an einem Wochenende angesetzt und siehe da: Es kamen Besucher! Fast alle haben etwas gekauft, mal mehr, mal weniger. Nicht nur das war erfreulich, sondern auch die Gespräche, die sich ergeben haben! Wie oft ich in den beiden Tagen gehört habe, dass man „auch irgendwie einfach mal gucken wollten, wie andere so leben“, oder „was die Geschichte hinter einer Wohnungsauflösung ist“. Interessant war es auf jeden Fall. 

Am Ende der zwei Tage haben wir in erster Linie Kleinkram verkauft: Bücher, Küchenutensilien, Kleidung, Dekozeug, Bilderrahmen... Und haben 380 Euro verdient, wow! Und es war trotzdem noch so viel Zeug da! 

Tipps für unsere nächste Haushaltsauflösung :-) 

Vermutlich macht es Sinn, den Hausflohmarkt nicht nur an einem Wochenende, sondern vielleicht noch an einem weiteren Termin zu machen. Bei uns fiel er ja noch dazu in die für die meisten Menschen leider doch sehr stressige Vorweihnachtszeit. 

Es empfiehlt sich, sich doch vorher Gedanken machen, was man für welchen Gegenstand noch haben möchte. Diesen Schritt hatte ich ausgelassen, da es mir zu viele Sachen waren. Im Nachhinein hätte es mir vielleicht mehr Geld eingebracht – ich hatte immer nur auf Nachfrage einen Preis gesagt und vermute, der lag oft unter dem, was ich sonst hätte erhoffen können (ich war noch nie der große Verkäufer :-)). Außerdem habe ich mich nicht wirklich entspannen können, da ich mir spontan einen Preis ausdenken musste und gleichzeitig selbstsicher rüber kommen wollte, war herausfordernd :-) 

Alles in allem empfinden wir den Hausflohmarkt als Erfolg. Klar, das Vorbereiten war viel Arbeit. Doch das Sortieren all unserer Sachen hätte früher oder später sowieso angestanden und wir haben eben doch mit „nur Zeitaufwand“ gutes Geld verdient! 

Free your stuff: 

Sachen verschenken ist so toll! Vieles wird wohl einfach nur so weggehen. Wir würden für so einiges aus unserem Besitz ohnehin nicht mehr viel bekommen und warum dann noch um 50 Cent kämpfen!? Es ist nur leider nicht immer ganz so einfach, die Sachen an den Mensch zu bringen, der genau das gerade braucht. Wir nutzen schon sehr lange immer wieder unsere lokale Facebook Free your stuff Gruppe, doch auch dort kommen Verschenker und Beschenkter nicht immer so einfach zusammen. Wenn es dann passt ist es aber umso schöner! Eine weitere Möglichkeit haben wir auch schon erprobt: Eine Kiste mit Zeug und dem Schild „zu verschenken“ vor die Tür stellen. Ging in unserem Versuch doch schneller weg, als ich dachte. Und liebe Menschen freuen sich im Vorbeigehen was tolles zu finden! Wichtig ist hier nur darauf zu achten, dass das Wetter gut ist! 

Online verkaufen: 

Viele Sachen, gerade größere Möbel oder wertvolleres, stellen wir bei Ebay oder Ebay Kleinanzeigen ein. So zum Beispiel unser WMF-Besteck oder das geschenkte Villeroy und Boch-Geschirr. (Ich bewundere Menschen dafür, die Gäste einladen, leckeres Essen auf tollem Geschirr auftischen, usw. Wir bekommen aber selten auf diese Art Besuch und alles in mir schreit: Ein Teller ist ein Teller ist ein Teller… egal wie er aussieht :-)). Gerade haben wir über Ebay Kleinanzeigen unsere Couch verkauft – lustigerweise an eine Nachbarin aus unserem Haus! Ich schreibe nun diesen Artikel auf dem Boden sitzend und wir empfinden unsere neue Sitzecke mit Kissen und unserem Palettencouchtisch-ohne-Couch gerade als ganz großartig! 

Bettwäsche, Möbel, alte Dokumente, Bücher, Schreibutensilien, Gewürze….. und es nimmt kein Ende! 

Vermutlich werden wir so verfahren, im Zweifel etwas zu viel wegzugeben und, sollten wir es dann doch brauchen, wieder zu besorgen. Vielleicht ja bei Free your stuff auf Facebook :-) 

Ach und Wayne hat von mir ein Ultimatum bekommen: Alles, was bis Ende Dezember von seinen Sachen noch nicht klar deklariert wurde als Behalten oder Kann gehen geht durch meine Finger… und er weiß, was das heißt :-D

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