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Die geplante Hausgeburt

Was braucht es für eine Hausgeburt? 

Ich plane eine Hausgeburt mit unserem zweiten Kind. Meine Tochter ist 2014 im Krankenhaus auf die Welt gekommen und ich kann nicht behaupten, schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Rückblickend fallen mir ein paar Punkte ein, die ich mir jetzt anders wünsche. Und dennoch ist der Wunsch nach einer Hausgeburt nicht die Entscheidung gegen das Krankenhaus – eher für etwas anderes, eben das Haus oder, in unserem Fall, die Wohnung. 

Ich habe durch meine Tochter so viel lernen dürfen und es geht immer weiter. Eine Erkenntnis, seitdem sie auf der Welt ist: Es ist etwas großartiges, der Natur ihren Lauf zu lassen! Sei es, meiner Tochter durch stillen nicht nur Nahrung, sondern auch Nähe geben zu können; sie in ihrer motorischen Entwicklung zu unterstützen, ihr aber ihr Tempo zu lassen; sei es, ihr die Gelegenheit zu geben, selbstbestimmt Erfahrungen zu machen. 

Warum tendieren wir oft dazu, in den überaus natürlichen Prozess der Geburt eingreifen zu wollen? Klar, man kann auch im Krankenhaus sehr natürlich und allein gelassen ein Kind zur Welt bringen. Oft ist eine Geburt dort aber mit vielen verschiedenen Hebammen verbunden, die unter Umständen ungefragt in den Geburtsvorgang eingreifen. Oder die Möglichkeit einer PDA ist so nah und greifbar, dass ich mir als Gebärende vielleicht schneller eine legen lassen möchte, als ursprünglich gedacht etc. 

Zunächst einmal bin ich froh, überhaupt noch eine Hebamme gefunden zu haben, die Hausgeburten macht. Das ist in den letzen Jahren nämlich schwieriger geworden (siehe hier...). In meinem Fall sind es genau genommen zwei Hebammen, Mutter und Tochter! Bei beiden habe ich auch Vorsorgetermine wahrgenommen und mich sofort wohlgefühlt. Eine Grundvorraussetzung für mich, denn ich möchte nur Menschen bei der Geburt anwesend haben, bei denen ich mich wohl fühle und denen ich vertraue. Bereits die Vorsorgeuntersuchungen liefen so angenehm ab: Ich habe mich total angenommen gefühlt, in jeden Schritt werde ich einbezogen und ich spüre, dass ich von beiden begleitet werde in meiner Schwangerschaft und nicht durch ein für mich undurchsichtiges Netz an Untersuchungen und Tests getrieben werde. In Bezug auf die Geburt haben sie es so ausgedrückt: Du bringst das Kind auf die Welt. Können wir dir helfen, sind wir da. Nicht mehr und nicht weniger! Es gibt mir so ein gutes Gefühl, selbstbestimmt mein Kind auf die Welt bringen zu können und Unterstützung zu haben, wenn sie denn notwendig ist. 

Lange habe ich mich gefragt, wer unsere Tochter betreuen wird, wenn die Geburt losgeht. Für mich war irgendwie klar, dass sie nicht anwesend sein würde – weil das doch immer so ist... oder? 

Ich habe dann weiter darüber nachgedacht und Erfahrungen von Hausgebärenden gelesen. Wir haben uns jetzt dafür entschieden, dass sie dabei sein wird. Zumindest insofern es für sie und für mich unter den gegebenen Umständen in Ordnung ist. Wie schon geschrieben, ist eine Geburt ein natürlicher Vorgang. Warum soll das Geschwisterkind nicht teilhaben an der Ankunft eines neuen Familienmitgliedes? Ist es nicht vielleicht von Vorteil, dass das große Kind dieses Erlebnis mit der Mutter und dem Vater teilt, anstatt plötzlich von Mama getrennt zu sein und beim Wiedersehen ist dort dieser kleine Mensch auf ihrem Arm, der das eigene Leben ohnehin völlig auf den Kopf stellen wird? Ich wurde gefragt, ob ich es nicht schwierig finde, wenn meine Tochter mich „leiden“ sieht. Ich betrachte den Vorgang der Geburt schon ganz anders. Natürlich wäre es angenehmer, wenn eine Geburt ohne Schmerzen verlaufen würde. In meiner Sicht sind Schmerzen aber nicht negativ. Sie sind in der Regel einfach nur hilfreich, weisen Sie uns doch immer auf etwas hin (mein Fuß schmerzt, ich sollte mal genauer hinsehen, was da los ist... ich habe Kopfschmerzen – habe ich zuviel Stress oder könnte es etwas anderes sein?). So kann ich auch mein Kind auf die Geburt vorbereiten. Ihr erklären, dass ich Wehen haben werde, die mir sicher weh tun. Die aber dem Baby helfen, aus meinem Bauch zu kommen usw. Wie immer gilt: alle sollen sich wohlfühlen können. Sollte Senia nicht anwesend sein wollen oder ich das Gefühl haben, dass es für die Geburt oder sie nicht gut ist, wird Wayne sich um sie kümmern (oder eine der Hebammen, das haben sie mir auch angeboten :-)). 

Und schließlich eine Frage, die ich mir in unserer konkreten Wohnsituation gestellt habe: Macht es Sinn, eine Hausgeburt in einer Wohnung zu haben, die zu diesem Zeitpunkt hoffentlich und wahrscheinlich nicht mehr besonders wohnlich ist, da der Umzug dann wohl sehr bald ansteht? 

In meinem Kopf ist die Vorstellung einer perfekten Hausgeburt ein gemütlich hergerichteter Raum, eventuel Kerzen, Musik. Und doch kam ich zu dem Schluss, dass ich sicher auch ohne all dies eine wunderbare Hausgeburt haben kann. Schließlich geht es mir in erster Linie um eine selbstbestimmte Geburt im Beisein meiner Liebsten und im Krankenhaus wäre die Atmosphäre sehr sicher auch keine gemütlichere. 

Natürlich werde ich trotzdem das Beste aus unserer Wohnung rausholen. Und dann hoffen, dass alles nach meinen Wünschen abläuft, dass der Zwerg noch etwas im Bauch bleibt und auch sonst nichts gegen eine Hausgeburt sprechen wird. Dass alles gut verläuft. Dass alle gesund bleiben. Das ist wohl das Wichtigste, ganz egal, wo und wie die Geburt letztlich stattfinden wird. 

Was sind eure Gedanken zu einer Hausgeburt? Hattet ihr vielleicht selbst eine und unter welchen Umständen? Welche Rolle spielten für euch dabei die äußeren Umstände?

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